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Sonntag, Juni 28, 2009

Web Analytics und Real Time

Immer wieder kommt in Gesprächen mit Web Analysten, Kunden oder Online Marketern das Thema auf Real Time Daten. Es gibt Tools, die Daten in nahezu Echtzeit darstellen - auch wenn Echtzeit in der Regel einige Minuten verzögert sind. Denn für Real Time müssen eine ganze Menge Daten bewegt werden - dieser Prozess dauert in der Regel ein paar Minuten, so dass Echtzeitdaten meist ein paar Minuten Verzögert sind.

Aber werden Real Time Daten überhaupt benötigt? Wer braucht diese?

Einige Toolanbieter überbieten sich mit der Geschwindigkeit ihrer Daten. Einige updaten die Daten alle 3, andere alle 5 und wiederum andere alle 7 Minuten. Wiederum andere Anbieter stellen ihre Daten einmal stündlich oder auch nur einmal täglich aktualisiert zur Verfügung.

So what?

Aus meiner Sicht gibt es nicht viele Web Analytics Nutzer die wirklich Real Time Daten benötigen. Hierfür gibt es einige Gründe die ich gleich aufzählen werde.


web analytics inside: real time
Real Time Daten sind auf der anderen Seite ein tolles Marketing Argument. Wenn ich als Tool-Suchender mit diverse Anbieter angucke wird irgendwann einer der Anbieter mit dem Real Time Argument kommen. Das verstehe ich sofort und finde es überzeugend. Ohne aber unter Umständen genau zu wissen, was ich damit anfangen soll. Aber wenn es ein Tool schon kann - warum dann nicht auch Real Time mitnehmen? Ist doch super. Dann kann ich live sehen wie sich meine Daten verändern! Und vielleicht sogar ständig meine Kampagnen ändern falls eine mal schlecht anläuft.

1) Toolauswahl aufgrund von Real Time

Ein des öfteren gemachter "Fehler" ist, dass ein Unternehmen sich von Marketing-Argumenten
web analytics inside: web analyse tools
und vielleicht guten Sales-Leuten blenden lässt. Es werden lange "Abhaklisten" erstellt und damit Tools miteinander verglichen. Wenn dann Real Time bei einem Tool nicht angekreuzt wurde kommt es vor, dass es bereits ausgeschlossen wird.

Hierdurch kann es passieren, dass letztendlich ein Tool angeschafft wird, was zwar Real Time kann, dafür aber viele andere Dinge (die eigentlich wichtiger wären) nicht.

2) Zahlen und Reporting ... und Analyse?

In der Regel verfügt ein Unternehmen intern schon über Unmengen an Zahlen. Viele unterschiedliche Reports werden hin- und hergeschickt und kaum einer sieht sie sich wirklich an - geschweige denn es werden wirklich Aktionen daraus abgeleitet.

Real Time Daten sorgen für noch mehr Zahlen - deutlich mehr Zahlen.

Sollen Reports alle fünf Minuten angepasst werden? Welchen Fixpunkt nehme ich für die Erstellung wenn die Zahlen sich nach der Reporterstellung schon wieder geändert haben? Eine Endlosarbeit. Eine Lösung ist, sich einen fixen Termin und eine fixe Uhrzeit zu nehmen an denen Reports erstellt werden. Aber wozu braucht man dann Real Time?

Die andere Frage die sich stellt ist: Wer soll sich die Daten alle ansehen? Wenn es vielleicht noch gelingt die Daten aufzubereiten und zu reporten - aber wirkliche Ableitungen daraus zu treffen?

3) Komplexität der Prozesse

Wenn sich die Daten alle paar Minuten ändern muss ich, wenn die Daten auch Real Time genutzt werden sollen, sehr schnelle interne Prozesse und eine hohe Umsetzungsgeschwindigkeit haben. In der Regel ist diese Voraussetzung in Unternehmen nicht gegeben.

Meist werden Zahlen aufbereitet, präsentiert, diskutiert und dann werden irgendwann Änderungen vorgenommen. An der Website oder an Kampagnen. Änderungen an der Website sind oftmals nicht so schnell möglich, da irgendwelche Release-Zyklen eingehalten werden müssen. Änderungen an Kampagnen sind oftmals ebenfalls nur schwer möglich, da sie über externe Dienstleister laufen (Vermarkter, Agenturen, etc.) und nicht mal eben schnell angepasst werden können. Darüber hinaus bauen bspw. bei Google AdWords Kampagnen auch eine Historie auf. Will ich die wirklich alle paar Minuten gefährden?

Wenn ich mich dennoch für Real Time entscheide muss ich eine große Macht innerhalb des Unternehmens haben. Ich muss selber in der Lage sein schnell Dinge umsetzen zu können - ohne große Absprachen, sondern einfach machen. In den wenigsten Unternehmen besteht diese Möglichkeit, diese Freiheit dinge dermaßen schnell zu ändern.


web analytics inside: web analyse prozesse
Sind Sie in der Lage Creatives für die Website schnell zu erstellen und einzupflegen? Sind Sie in der Lage AdWords Kampagnen schnell anzupassen und zu ändern? Haben Sie die Möglichkeit selbständig Änderungen an Werbebudgets vorzunehmen? Oder benötigen Sie für sämtliche Änderungen das "Go" von Vorgesetzten?

Wenn Sie die letzte Frage mit "Ja" beantworten verringert sich der Vorteil von Real Time Daten.

4) Zusammenspiel mit anderen Daten

Auch wenn Ihr Web Analytics Tool Real Time Daten anzeigen kann - sind dies bereits alle Daten die Sie zur Entscheidungsfindung benötigen? Wie sieht es aus mit weiteren Datenquellen wie Google AdWords, Affiliate Anbieter, Newsletterversender, Vermarkter und Agenturen?

In der Regel stellen diese ihre Daten nicht Real Time zur Verfügung. Aber sind dies nicht relevante Daten die in die Entscheidungsfindung mit einfließen sollten?

Die meisten der genannten externen Quellen liefern die Daten auf tagesbasis. Da hilft es mir dann wenig, wenn mein Web Analytics Tools die Daten Real Time liefert, aber eine wichtige weitere Komponente fehlt.

Die Gefahr nicht wirklich durchdachte Entscheidungen zu treffen kann durch die einseitige Betrachtung der Daten steigen.

5) Leute, Leute, Leute

Um mit Real Time Daten zu arbeiten benötigt man sehr gute und fähige Web Analysten. Vermutlich wird auch einer nicht reichen. Denn die Datenmenge und die Geschwindigkeit wird sehr hoch sein.

Um ständig in Real Time Ableitungen zu Treffen, Änderungen vorzunehmen und all diese Entscheidungen datenbasiert zu fällen bedarf es wie bereits erwähnt sehr schneller interner Prozesse und Man-Power. All dies kostet Geld.

Will ich also mein Unternehmen auf Real Time umstellen und dementsprechend alle Prozesse anpassen und die nötigen Stellen mit geeigneten Menschen ausstatten komme ich nicht drumrum auch eine Menge Geld in die Hand zu nehmen. Man könnte also sagen, dass wenn ich den Mehrwert von Real Time voll ausschöpfen möchte Geld ausgeben muss.


web analytics inside: content websites
Aus meiner Sicht gibt es lediglich eine Kategorie von Websites bei denen Real Time Web Analyse sinnvoll sein kann - bei schnelldrehenden Nachrichtenseiten. Wenn ich alle 15 Minuten neue Artikel auf meiner Homepage einstelle macht es Sinn, dass die Redakteure sehr schnell sehen können welche Artikel wie erfolgreich sind. Insbesondere dann, wenn die Homepage quasi das Coverblatt ist. Dann ist der Platz extrem begrenzt und nur die aktuell erfolgreichsten Artikel sollten auf der Homepage stehen. Dies ist unter Umständen bereits nach recht kurzer Zeit herausfindbar.

Aber auch hier wieder ein Argument dagegen. Wenn ich anhand meiner Real Time Daten Entscheidungen fälle steigt die Gefahr diese vorschnell zu treffen. Vielleicht gibt es Gründe, weshalb Artikel am Anfang weniger gut laufen. Tageszeit, Wetter oder irgendwelchen anderen Einflüsse. Gelegentlich sollte Dingen auch ein wenig Zeit gegeben werden bis Änderungen vorgenommen werden. Statistische Signifikanz ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort.

Und nun Sie: Was denken Sie? Gibt es weitere Argumente gegen Real Time? Gibt es Argumente pro Real Time? Liege ich mit meinen Punkten daneben? Haben Sie Erfahrungen mit Real Time gesammelt? Schreiben Sie einen Kommentar!

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Kommentare:

  1. Realtime fördert nur die Hysterie. Auch im Businessleben gilt: "Gut Ding will Weile haben" und "Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß".

    Wohin hektisches Realtime-Zappeln hinführt haben uns die Finanzjungs ja eindrucksvoll bewiesen. Kostolany, Butffet und andere Börsengrößen sagen ja nicht umsonst "Kaufen und liegenlassen".

    Eine gut geführte Firma hat eine langfristige Planung. Diese muß natürlich immer wieder mit der Realität verglichen werden und nötigenfalls muß die Realität angepaßt werden ;-) - aber doch nicht in Realtime, einmal pro Monat reicht völlig.
    In meinen Augen lädt Realtime nur zur operativen Hektik ein. Man steuert wild gegen oder verstärkt Trends ohne Wissen um das Ganze. Das kann nur zum Absturz führen.
    Wenn der Chef nur einmal pro Woche die Nutzerdaten bekommt, dann sieht er: Dienstag war eine Delle, hat sich aber erholt, war eine ganz gute Woche soweit.
    Wenn´s Realtime ist, kommt er spätestens Dienstagmittag angeschossen und verlangt "Müller, sie müssen SOFORT was tun, unsere Zahlen stürzen ab!!!" "Was soll ich denn tun?" "Mir egal, aber tun sie was, packen sie halt eine Nackte auf die Titelseite - das geht immer."

    Ne, mit Realtime im Nacken kann man nicht vernünftig wirtschaften!

    Soweie meine Meinung
    Albert Warnecke

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  2. Ich muss Dir zustimmen. :) Unser Tool zur Web Analyse und PPC Kampagnenoptimierung bietet (noch) keine Real-Time-Daten, sondern die Daten fließen alle 2-3 Stunden ins System (ähnlich wie bei Google Analytics).

    Wie Du schon richtig beschrieben hast, sind die Daten meistens auch gar nicht von Unternehmen sofort zu verarbeiten. Wer kann schon sofort Änderungen an der Website, an Website Experimenten oder an den AdWords Kampagnen durchführen? Meistens sind die Unternehmensprozesse in Marketing/IT/u.a. gar nicht dafür aufgestellt. Das ist zumindest meine Erfahrung aus einigen Unternehmen. Gerade, wenn externe Content Management Systeme bzw. Dienstleister genutzt werden, wird es oft schwierig mit kurzfristigen Anpassungen.

    Ich bin aber auch auf die anderen Meinungen hier gespannt.

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  3. Da habe ich einen ganz interessanten Usecase aus dem Online-Mediabereich. Einer unserer Kunden setzt ein Realtime-Modul eines großen Analytics Anbieters ein, um in der Redaktion die "hotness" einzelner Artikel zu beurteilen, um die Verteilung von Aufmachern und anderen Artikeln auf der Startseite ständig richtig zu verteilen. Gerade bei Online Newspapers macht eine Realtimebetrachtung der Analyticsdaten (insbesoderer Segmentiert nach Rubriken und/oder Alter des Artikels)für eine Redaktion durchaus Sinn. Die Damen und Herren Journalisten und Redakteure wollen Ihr Artikelranking jedenfalls nicht mehr missen.

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  4. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  5. Hier stand ein Kommentar von Timo von Focht von AT Internet. Den Ursprungskommentar musste ich löschen, da es reine Eigenwerbung ging. Eigenwerbung sehe ich nicht als Mehrwert für diesen Blog und entferne ihn daher - ich denke das ist im Sinne der anderen Leser!

    Der Rest des Kommentares ist dieser hier:

    Dem Artikel von Timo Aden möchte ich insofern zustimmen, dass dieses Analysefeature von manchen Website-Betreibern überbewertet wird.

    Ich habe schon Websitebetreiber erlebt, die sich freuen, wenn Sie "live" mit dabei sein dürfen und sehen, wie sich ein Nutzer jetzt gerade über die Seite bewegt und das für ein ganz tolles Feature halten.

    Wer das toll findet, der sollte sich wohl einen anderen Job suchen, da es im Bereich Webanalyse darauf ankommt, geeignete Schlüsse aus den Daten zu ziehen und Ziele zu erreichen bzw. das eigene Online-Angebot zu verbessern.

    Wenn man sich die Requirements nahezu aller größeren Website Anbieter anschaut, so steht Realtime inwischen zu fast 100% auf dem Pflichtenheft.

    Das hat seinen Grund eventuell darin, dass wer SEO betreibt, oft noch ein paar Prozent mehr an Nutzern erhofft, wenn er schneller unterwegs ist als die Konkurrenz.

    Oder im SEM Bereich Geld einsparen will, da er schneller sieht, welche Kampagnen performen und welche unnützen Traffic bringen.

    Daher wird meiner Meinung nach wohl über kurz oder lang kein Anbieter (auch nicht Google oder Yahoo) um dieses Thema herumkommen.

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  6. @Albert Warnecke: Super-Kommentar, vielen Dank dafür! So mag ich das, viele und ausführliche Kommentare ;-)

    @DC Storm: Vielen Dank - sehe ich genauso

    @Jens: Das was Du schreibst ist genau die Ausnahme die ich auch gehschildert hatte wo Real Time wirklich Sinn machen kann. Einen ebensolchen Usecase habe ich auch gehabt mit einem schnelldrehenden Nachrichtenportal. Da war Real Time Pflicht. Wie gesagt, das ist die einzige Ausnahme die ich definitiv gelten lassen kann.

    @anonym: Vielen Dank für Deinen Kommentar. Leider musste ich den Kommentar etwas verändern, da ich hier keine Werbekommentare haben möchte. Ich fänd es nicht schön, wenn hier nur Toolanbieter kommentieren die natürlich jeweils ihre Meinung darstellen. Alle Kommentare sind willkommen, aber bitte keine Werbung.
    Sollten die anderen Leser dies anders sehen bitte mir mitteilen - ich sehe allerdings keinen Mehrwert für die Leser dieses Blogs, wenn er zu viele Werbekommentare enthält...

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  7. Kein Problem. Die Netiquette muss ich noch lernen bei Deinem Blog, aber danke dass Du den Kommentar trotzdem veröffentlicht hast!

    Viele Grüße aus München,
    Timo

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  8. @Jens: Das sehe ich als Ex-Redakteur eher kritisch.

    Punkt 1:
    Die "hotness" eines Artikels sollte jeder Redaktuer nach einer gewissen Zeit beurteilen können. Die Bild kann das seit 40 Jahren ganz vorzüglich und ganz ohne Web-Analyse.

    Punkt2: Eine Publikation mit Redakteuren ist nicht Digg oder Reddit. Da bestimmt der "Mob" was auf der Titelseite steht.
    Mit RT-WA wende ich genau dieses Prinzip auch auf die Redaktion an. Die Redaktion schaufelt Zeug auf die HP, die Nutzer entscheiden was bleibt.
    Das erwarte ich aber nicht von einer Online-Redaktion. Das ist kein Journalismus, sondern ein "Mäntelchen nach dem Wind hängen".
    Kein Wunder, daß auf Publikationen wir Carta http://carta.info
    die Zukunft des Qualitäsjournalismus diskutiert wird.

    In diesem Zusammenhang die Frage: Wie geht die Redaktion mit den Schwankungen innerhalb der Nutzerschaft um.
    Nehmen wir an, wir haben einen Artikel zum Thema X.

    Heute um 15.00 Uhr ist er bei der Nutzerschaft populär und auf Platz 1 des Rankings.
    Heute um 17.00 Uhr hat die Nutzerschaft Ihre Zusammensetzung gewechselt, der Artikel sinkt auf
    Platz 3.

    Morgen ist Samstag, am Wochenende ist die Klientel eine ganz andere, der Artikel ist uninteresasant für diese Besucher und er verschwindet aus dem Top10 Ranking.

    Was sind die Konsequenzen?
    Wird der Artikel um 17.00 Uhr umpositioniert? Woher weiß man, daß der Artikal auf dem absteifenden Ast ist. vielleicht kommt er ja gegen 20.00 Uhr noch mal zurück.

    Und am Wochenende: Wird der Artikel da von der Titelseite genommen? Vielleicht wäre es aber ganz gut, dieser Klientel diesen Artikel mal um die Ohren zu hauen.

    Denn das gehört für mich auch zum Journalismus dazu: Der Auftrag den Horizont der Leser zu erweitern. Nicht immer nur Brot und Spiele und dem Nutzer nach dem Mund reden.

    Ansonsten reduziert die Redakation Ihre Arbeit darauf möglichst viele Pageviews zu produzieren, die dann von der Anzeigenabteilung verhökert werden können.
    Die Redakteure sind Pageview-Kneckte und die Leser Klickvieh.

    Wie kommen die Redakteure denn noch zum Artikel schreiben, wenn sie viermal in der Stunde ihre Zahlen checken. Kein Wunder, daß nur noch dpa-Meldungen 1:1 durchgewunken werden.
    Oder wurden extra Zahlen-Checker eingestellt, die das überprüfen und die HP umdekorieren? Die sind aber auch Overhesad und müssen bezahlt werden. Schlecht bei der heutigen finanziellen Lage der Redaktionen.

    Die Redaktionen stehen eh schon unter einen gewaltigen Druck, RT-WA gibt der ganzen Sache noch einen weiteren Schubs in Richtung Boulevard und "kleinester gemeinsamwer Nenner".
    Bei Yahoo! habe ich damals so gearbeitet, da habe ich ohne Gnade und Erbarmen das auf die Titelseite gewuchtet was die meisten Pageviews brachte - Sales konnte alles verkaufen.
    Aber Yahoo! hat sich nie als journalistisches Unternehmen verstanden.

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  9. Hallo Timo,
    vom Prinzip her hast Du mit Deinen Argumenten schon Recht und auch ins Schwarze getroffen. Da wird viel Hype gemacht. Aber ich denke, dass es schon einige Unternehmen gibt, denen das Erkennen von Änderungen im Besucherstrom hilft. Echtes Performance Marketing oder Auswirkungen von Veränderungen bei Sites mit großen Besucherströmen profitiert schon von sehr aktuellen Daten. Für die meisten Unternehmen wird das aber wohl nicht notwendig sein.
    Wenn wir ehrlich sind, haben Unternehmen in der Regel oft eh nicht das techn. Hintergrundwissen, um den richtigen Trackinganbieter auszuwählen. Dann werden halt Strichlisten mit Featureaufzählungen gemacht. Ich wundere mich da auch immer wieder mal über Firmen, die solche Aufgaben via Diplom-/Bachelorarbeiten erledigen lassen. Wenn ich meine Studenten dann darauf hin trimme, erst mal die (Info-)Anforderungen der Abteilungen zu erheben und aufzuarbeiten, wundert man sich nicht selten in den Unternehmen über diese "Mehrarbeit".
    "Wir wissen zwar nicht was wir wollen und wohin es gehen soll, aber wir wollen unbedingt schnell dort sein!" ;-)

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  10. Martin Heier7/17/2009 2:18 PM

    Klassische Performance Marketing
    Maßnahmen benötigen, in 99% der Fälle, keine Realtime Daten aus dem Webanalyse/Trackingsystem. Sowohl für einen manuellen als auch für einen automatisierten Optimierungsprozess sind Daten, die 1-2 mal am Tag geupdatet werden, völlig ausreichend um annähernd sinnvolle Entscheidungen auf einem statistischen Fundament treffen zu können (selbst hier nur bei sehr hohem Traffic). Je größer die vorhandene Datenmenge, desto besser die Entscheidungsbasis für eine entsprechende Änderung.
    Echtes Real Time Tracking ist spannend, wenn es darum geht zwischen dem Besucher und der Website eine eine Interaktion aufzubauen; sprich Inhalte auf der Website auf Grundlage des Userverhaltens anzupassen. Der Haken an der Sache ist nur: Die meisten großen Websites sind aus der Historie heraus gewachsen und besitzen Backendseitig nicht die benötigten Datenstrukturen um dies umzusetzen. Soll heißen, die Seiten wurden über Jahre mit wachsendem Besucherstrom aufgepimpt und werden durch technische, lebenserhaltende Maßnahmen weiter betrieben. Grundlegende Überarbeitung mit entsprechender Skalierbarkeit für solche Leistungsanforderungen: Fehlanzeige.

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  11. Zunächst einmal: Super, dass eine richtige Diskussion zustande gekommen ist!

    @Albert Warnecke: Vielen Dank. Eine absolut nachvollziehbare Sichtweise. Als Vollblutjournalist wird und will man sicher nicht ständig an Zahlen gemessen werden und sich eher auf eine, wie Du es schreibst, Horizinterweiterung der Leser konzentrieren. Absolut richtig, absolut sinnvoll. Dies trifft aber nicht auf jeden Leser zu, da nicht jeder Leser seinen Horizont erweitern möchte. Für Zeit, Spiegel, FAZ und Co - idealerweise ja, aber Bild oder andere boulevardmagazine? Da geht es um Masse und nicht Horizonterweiterung. Und dann werden eben die Artikel nach oben gestellt die am meisten gelesen werden. Im Zweifel auch Real Time. Das finde ich nicht verwerflich. Jeder Leser kann sich schließlich aussuchen was liest, und jeder Journalist für welches Magazin er arbeitet. Nachvollziehen kann ich eine eventuelle Ablehnung gegenüber zuviel Tracking aus Journalistensicht schon.

    @Mario: Vielen Dank für Deinen Kommentar-Du bist herlich eingeladen es öfter zu tun ;-)
    Insbesondere Deinem zweiten Absatz stimme ich zu. Das untersützt wieder die These: Es geht nicht ums Tool - es geht um Menschen! Es ist (fast) egal welches Tool ich nutze, wenn ich nicht die richtigen Mensch habe die damit arbeiten (oder den richtigen Dienstleister ;-) kann ich es auch gleich sein lassen. Und Zu Deinem Zitat habe auch noch eine Ergänzung: "Ich will alles tracken was irgendwie technisch trackbar ist." Ob das dann hinterher irgendwann irgendeiner je wieder braucht ist egal. Hauptsache Daten sammeln!

    @Martin Heier: Absolut D'accord. Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen!

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  12. Hallo Timo,

    du hast viele gute Punkte zusammengetragen aber ich denke ein wesentlicher Negativpunkt wurde vergessen.

    Ich als Entwickler möchte testen, testen, prüfen. Nun kann ich aber mit Google Analytics relativ schlecht überprüfen wie gut und ob überhaupt meine Entwicklungen funktionieren.

    Das Ganze habe ich heute beim Ereignistracking erlebt. Ich warte nun sehnsüchtig auf erste Daten. :D

    Heutzutage muss alles 24/7 funktionieren und angepasst werden, zumindest in meinem Bereich.

    Ich stimme dir allerdings in deinen anderen Punkten komplett zu.

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  13. Es passiert sehr oft, das gute Einfälle zur Optimierung von Websites nach langem Nachdenken kommen.

    Auch wenn man viele Daten vorliegen hat, so werden die Entscheidungen doch nicht aus dem Bauch heraus innerhalb von Sekunden gefällt.

    Vergleiche von Zeiträumen sind auch sehr wichtig. Die lassen sich allerdings nicht realtime durchführen.

    Es ist schön, zeitnah zu sehen wie viele Besucher auf den Seiten sind. Ausführliche Auswertungen und Aktionen werden auf dieser Basis unserer Erfahrung nach allerdings nicht abgeleitet.

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  14. Wie Timo richtig festgestellt hat macht real-time Tracking nur bei Medien wohl richtig Sinn, wobei ich annehme dass es sicher noch irgendwelche anderen Gründe geben kann, gesehen habe ich in der Praxis noch nicht.

    @“Da bestimmt der "Mob" was auf der Titelseite steht.“
    Ich glaube bei Medien, die sich nach dem „Mob“ richten, passiert das auch ohne Tracking, und Seiten die das nicht tun werden auch von der Linie nicht abgehen wenn ein Echtzeittracking haben.
    Dem „Mob“ nachlaufen ist für ein Qualitätsmedium sowieso keine gute Strategie, wie will man sich sonst noch unterscheiden? Abgesehen davon beherrschen Boulevard-Medien die „Mann beißt Hund“ Schlagzeilen sowieso besser.

    Schön dass es hier auch mal eine richtige Diskussion gibt.

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  15. Im aktuellen TWiT Podcast wird auch darüber diskutiert. Hier fällt vor allem immer wieder der Name der Firma Chart Beat. Jason Calacanis von Mahalo.com war sehr begeistert.

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  16. Hallo zusammen, ich habe mir einiges durchgelesen hier sehr interessant.
    Ich bin student und mein Abschlussthema ist hierüber. also "verfügbare Technologien des real time BI Reporting"
    Wo finde ich dafür weitere hilfen,seiten,dokumente???könnt ihr mir weiterhelfen?wäre sehr dankbar

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  17. In meinen Augen lädt Realtime nur zur operativen Hektik ein. Man steuert wild gegen oder verstärkt Trends ohne Wissen um das Ganze. Das kann nur zum Absturz führen.

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  18. Ausführliche Auswertungen und Aktionen werden auf dieser Basis unserer Erfahrung nach allerdings nicht abgeleitet.

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